Samstag, 05.12.2020

Notenunabhängige Leistungsbeurteilung – Zeugnisse ohne Noten im dritten Schuljahr

 

Warum ist Lernen ohne Noten die Zukunft?

--> Sehes Sie sich HIER folgendes Video an!

 

Warum „Zeugnisse ohne Noten“?

 Zeugnisse ohne Noten...

  • sind durch die detaillierte Aufteilung sehr informationsreich und aussagekräftig
  • bieten sachliche Informationen über den individuellen Stand der Lern- und Leistungsentwicklung der Kinder
  • bieten auch Informationen über das Arbeits- und Sozialverhalten, dokumentieren also z.B. auch charakterliche Veränderungen des Kindes im Bezug auf die soziale Kompetenz
  • sind kriteriengeleitet: alle Kinder eines Jahrgangs werden nach den gleichen Kriterien bewertet werden  gerechte Beurteilung
  • bieten Transparenz
  • gibt es bereits an acht anderen Bonner Schulen. Dort hat man sich für eine Leistungsbeurteilung ohne Noten entschieden (Till-Eulenspiegel-Schule, Bodelschwinghschule, Engelsbachschule, Montessorischule Dottendorf, Adelsheidisschule, Arnold v. Wied Schule, Ennertschule und Gottfried-Klinkel-Schule)

 

Individuellen Ziele des Kindes gelangen in den Fokus weil...

  • eine ausführliche, schriftliche Leistungsbeurteilung die Selbstständigkeit der Kinder fördern kann, statt die Abhängigkeit zu verstärken
  • Zeugnisse ohne Noten einen konstruktiven Umgang mit Kritik fördern, da die Kritik überhaupt sichtbar gemacht wird, anstatt sie in einer Note auszudrücken
  • Zeugnisse ohne Noten die Selbstreflexion des Kindes fördern
  • sich eine intrinsische Motivation (innere Motivation vom Kind selbst) des Kindes entwickeln kann, die Möglichkeit zur Verbesserung steigt


Was bedeutet dies für die Zukunft:

  • Noten werden für den Übergang auf die weiterführende Schule nicht benötigt (siehe Aussagen der Schulleiter weiterführender Schulen).

  • Für die Elterngespräche an den weiterführenden Schulen sind die Zeugnisse Grundlage, dabei sind klare und detaillierte Aussagen über das Kind nützlicher als Noten.
  • Im späteren Beruf sind Noten auch nicht wichtig. Dort zählen vor allem die Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Stärken und Schwächen einer Person, und diese lassen sich nicht in Noten ausdrücken.
  • Teamfähigkeit, Kompetenzen, etc. sind die Fähigkeiten der Zukunft, diese werden von den Unternehmen verlangt, nicht welche Ziffernnote jemand in einem Fach hatte.


Noten sind also nicht sinnvoll und zielführend, weil sie….

  • keine Objektivität bieten, da dieselbe Leistung von verschiedenen Lehrkräften unterschiedlich bewertet werden kann --> sie sind demnach ungerecht.
  • einen Leistungszwang entwickeln.
  • schlecht vergleichbar und damit auch nicht fair sind, denn je nach Niveau der Klasse werden dieselben Leistungen höher oder niedriger eingestuft.
  • nicht transparent sind.
  • nicht aussagekräftig bezüglich des Lernprozesses des Kindes sind: sie geben keine Auskunft darüber, wie und was das Kind gelernt hat.
  • des Weiteren nicht aussagekräftig sind, da dieselbe Note für unterschiedliche Leistungen stehen kann
    (z.B. eine „3“ in Deutsch für einen sprachbegabten, aber faulen Schüler, oder für einen Seiteneinsteifer aus einem anderen Land, der in kurzer Zeit viel gelernt hat, oder für einen kurzfristigen Leistungseinbruch aufgrund von persönlichen Umständen)
.

  • nicht alle Teilleistungen widerspiegeln, sondern verallgemeinern die Leistungen zu einer einzigen Note, die schlussendlich nicht das aussagt, was eine ausführliche Darstellung des Leistungsstandes leistet
.

  • zwar die leistungsstarken Kinder belohnen, aber die leistungsschwächeren Kinder  demotivieren.
  • kurzzeitig motivieren, allerdings nicht auf Dauer leistungssteigernd sind.
  • eine Rangfolge in der Klasse schaffen und damit ein konkurrierendes Lernverhalten fördern  --> sie unterstützen dadurch auch charakterliche Fehlhaltungen (Überheblichkeit, etc.).
  • die intrinsische Motivation schwächen: Kinder lernen, um anderen zu gefallen (Druck von außen) oder für gute Noten; aber nicht, weil sie etwas lernen wollen  --> negative Auswirkungen auf die Lernmotivation.

Literaturverzeichnis

Allmann, S. & Stein, E. (2019). Freiarbeit und Leistung in der Montessori-Pädagogik. Freiburg im Breisgau: Herder.
Backhaus, A. & Brügelmann, H. (2006). Sind Noten nützlich und nötig? Ziffernzensuren und ihre Alternativen im internationalen Vergleich. Eine wissenschaftliche Expertise des Grundschulverbandes.
Beutel, S.-I. & Pant, H.-A. (2020). Lernen ohne Noten. Alternative Konzepte der Leistungsbeurteilung. Stuttgart: Kohlhammer.
Brügelmann, H. (2014). Sind Noten nützlich und nötig? Ziffernzensuren und ihre Alternativen im internationalen Vergleich. Eine wissenschaftliche Expertise des Grundschulverbandes. 3. aktualisierte Aufl. Frankfurt am Main: Grundschulverband e. V.
Brügelmann, H. & Lämmerhirt, Dr. M. (2014). Pro und Contra Zensuren. In: Schulmanagement online; 4.
Kerbel, B. (2016). Das Dilemma mit den Schulnoten. Online [URL] www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/213307/schulnoten (Aufruf: 28.04.2020).
Maaz, K./ Baeriswyl, F./ Trautwein, U. (2011). Herkunft zensiert? Leistungsdiagnostik und soziale Ungleichheiten in der Schule. Eine Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland.
Velten, S. & Schnitzler, A. (2011). Prognose von Ausbildungserfolg: Welche Rolle spielen Schulnoten und Einstellungstests? In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, Heft 6, S. 44-47.
Wilde, D. (2016). Indikatorengestützte Zeugnisse. Eine Alternative zur verbalen Beurteilung an Berliner Grundschulen. In: Grundschulunterricht Deutsch; 2. S.8-12.