Sonntag, 25.09.2016

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Montessori

Die Montessori - Pädagogik an der Münsterschule

Die Montessori-Pädagogik als Garant für Vielfalt und individuelle Entwicklung

Die GGS Münsterschule - Montessori - Schule Bonn ist eine Offene Ganztagsgrundschule, in der auf der Grundlage der Pädagogik Maria Montessoris unterrichtet und gelebt wird. In acht Klassen lernen die Kinder in jahrgangsgemischten Lerngruppen (Klassen 1 bis 4) gemeinsam in individueller und hoch differenzierter Weise. Dabei bietet die von den LehrerInnen und ErzieherInnen „vorbereitete Umgebung“ mit den besonderen Montessori-Materialien und vielen weiteren Materialien, die den von der Montessoripädagogik vorausgesetzten Kriterien (enthaltene Selbstkontrolle, Isolierung der Eigenschaft, fortschreitende Lerninhalte etc.) an eine selbständige Arbeit genügen, den optimalen Rahmen für die individuelle Entwicklung eines jeden Kindes.

Neben der von der modernen Lern-und Unterrichtsforschung geforderten individuellen und differenzierten Förderung begegnen die Montessori-Lernmaterialien immer auch dem häufig beklagten Mangel an motorischen Fertigkeiten von Kindern, da die Haptik in allen Materialien und deren Handhabung von besonderer Bedeutung ist. Das Lernen mit allen Sinnen ist genauso Grundbestandteil der Montessori-Pädagogik wie die Hinführung zu einer Konzentration aus eigenem Antrieb heraus („Polarisation der Aufmerksamkeit“), die nachhaltiges Lernen erst möglich macht. Sie bietet darüber hinaus ein Gegengewicht zur vielfach beklagten Digitalisierung unserer Lern- und Lebenswelt, die in sehr einseitiger Weise auf die Entwicklung von Kindern einwirkt. Dabei ist die praktische Montessori-Arbeit in der Lage moderne Medien und auch digitale Lernmaterialien in die tägliche Arbeit zu integrieren.

Gestützt werden die teilweise schon hundert Jahre alten Ansätze und pädagogischen Überzeugungen Maria Montessoris heute durch aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse der modernen Hirnforschung und wissenschaftlichen Pädagogik. Damit erweist sich die Montessori-Pädagogik als ein aktuelles und zukunftsweisendes pädagogisches Konzept, das auf viele drängende Fragen unserer Zeit, handfeste, wissenschaftlich bestätigte und bewährte Antworten bietet.


Individuelle Förderung als Maxime des Unterrichtens

Die Pädagogik Maria Montessoris zeichnet sich durch eine besondere Fokussierung auf die sehr individuellen Entwicklungsverläufe eines jeden Kindes aus. Montessori geht von einem grundsätzlich vorhandenen starken Willen zum Lernen bei jedem Kind aus, sieht dabei aber die unterschiedlichen Verläufe, zeitlichen Verschiebungen und verschieden ausgeprägten Interessensschwerpunkte jedes Kindes, die es zu beachten gilt. Diese Grundhaltung zum Kind macht die LehrerIn und ErzieherIn zu einer wichtigen Lernbegleitung, die durch genaue Aufmerksamkeit und Beobachtung jedem einzelnen Kind zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeiten schaffen muss, sich mit den für das Kind gerade passenden Lernmaterialien und Lerninhalten auseinandersetzen zu können.

Diese pädagogische Grundhaltung ermöglicht es, den verschiedenen Lernausgangslagen und den unterschiedlichen Lernverläufen täglich Rechnung zu tragen. Selbstverständlich trifft dies ebenso auf Kinder mit geringen Deutschkenntnissen und/oder Fluchthintergrund zu. Auch diese Kinder wollen lernen und können in einem Montessori-Unterricht nach ihren Bedürfnissen und Interessen weiterlernen – sowohl die neue Sprache, wie auch andere Lerninhalte, die mit Hilfe der Materialien oft auch ohne große Sprachkenntnisse bearbeitet werden können.


Und so wird bei uns gelernt und gelebt – ein typischer Tag in der Münsterschule

Die tägliche Freiarbeit umfasst drei Unterrichtsstunden und ist die Hauptlernzeit der Kinder. Im Rahmen der Freiarbeit werden Unterrichtsinhalte aus den Fachbereichen Mathematik, Deutsch, Sachunterricht, Religion und Kunst angeboten und erarbeitet. In dieser Zeit arbeiten die Kinder in der jahrgangs- und altersgemischten Lerngruppe vom ersten bis zum vierten Schuljahr. Es ist den Kindern jederzeit möglich alleine, zu zweit oder in einer Kleingruppe zu arbeiten. Ebenso steht ihnen die Wahl ihrer Arbeitspartner frei. Sie können auch wählen, wo sie im Klassenraum oder auf den Fluren und in den Nebenräumen arbeiten wollen. Die Lehrkraft ist dabei immer Bezugsperson für alle Kinder, mit der die Entscheidungen der Kinder abgesprochen werden, die berät, Material und Lerninhalte für einzelne Kinder oder in Kleingruppen einführt und auch Arbeitsergebnisse kontrolliert und wertschätzt.

Im Rahmen der Freiarbeit sind auch kleine „Kurse“ angesiedelt, in den z.B. Kinder mit geringen Sprachkenntnissen in Deutsch alleine, zu zweit oder in Kleingruppen von einer weiteren LehrerIn oder auch ehrenamtlich Tätigen (z.B. StudentInnen, PraktikanntInnen, Lese-Eltern, freiwillige Helfer etc.) gefördert werden. Diese Lerneinheiten orientieren sich inhaltlich wie auch zeitlich immer an den Bedürfnissen und dem Kenntnisstand der betroffenen Kinder.

Im anschließenden Fachunterricht, der in altersgemischten Lerngruppen der Jahrgänge 1 und 2 bzw. 3 und 4 aus jeweils zwei Klassen zusammengesetzt durchgeführt wird, werden die Fächer Englisch, Musik, Sport und Religion ebenfalls in differenzierter Weise unterrichtet. Auch hier wird das selbständige und individualisierte Arbeiten der Kinder als pädagogisches Grundprinzip in der täglichen Arbeit umgesetzt.

Nach dem Unterricht haben die Kinder im Rahmen der OGS eine Mittagspause, in der sie gemeinsam ein warmes Mittagessen zu sich nehmen und Zeit zum Spielen und Entspannen in den OGS-Räumen und dem Außengelände haben. An drei Tagen in der Woche gibt es für jede Klasse nach dieser Mittagspause noch eine 45-minütige Lernzeit im Klassenraum. Diese Lernzeit wird von der KlassenlehrerIn geplant und verantwortlich durchgeführt. Dabei wird sie unterstützt durch das OGS-Personal, das ebenfalls in der Lernzeit anwesend ist. Diese Lernzeit wird als besondere Förder- und Forderzeit verstanden, in der es noch einmal in besonderem Maße möglich ist, die Kinder einzeln und intensiv zu beraten, zu betreuen und anzuleiten, da in dieser Zeit in der Regel zwei, oft jedoch bis zu vier Erwachsene in einer Klasse für diese Tätigkeiten zur Verfügung stehen.


Diagnostik und Dokumentation

Die Lernfortschritte der Kinder werden täglich in einem individuellen Lerntagebuch durch die Kinder dokumentiert. Darüber hinaus führt die jeweilige Lehrkraft ein sogenanntes „Pensenbuch“, in dem über die gesamte Grundschulzeit alle wesentlichen Materialien und Lerninhalte, die das Kind bearbeitet hat, festgehalten werden können. Ergänzend führt jedes Kind ein „Portfolio“, in dem Arbeitsergebnisse jeglicher Art gesammelt werden. Auch die Zeugnisse geben in differenzierter Art und Weise in Form von „Ankreuz-Zeugnissen“ Auskunft über den tatsächlichen Leistungsstand eines jeden Kindes.

Die Lernfortschritte und der Leistungsstand der Kinder werden in regelmäßigen Abständen mit den Eltern ausführlich besprochen. Dies geschieht in den halbjährlich stattfindenden regulären Elternsprechtagen oder auch nach individueller Absprache in den wöchentlichen Sprechstunden der LehrerInnen. Die Kinder werden jederzeit nach Bedarf hinsichtlich ihres weiteren Lernfortschritts und Lernstandes beraten.


Teilhabe, Mitbestimmung und Erziehung zur Demokratie

In den Schülergremien „Klassenrat“ und „Schülerparlament“ können die Kinder über aktuelle Themen diskutieren, Ideen und Vorschläge einbringen und über das Schulleben in Unterricht und OGS mitbestimmen. Die Teilnahme am Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beispielsweise ist vor allem der Diskussion und dem Engagement der SchülerInnen in diesen Gremien geschuldet.

In der wöchentlichen „Freitagsversammlung“, in der alle Kinder und Erwachsenen der Münsterschule zusammenkommen, finden die Kinder aller Klassen einen Rahmen und ein Forum, Ergebnisse ihrer Arbeiten zu präsentieren, unterschiedliche Anlässe zu begehen (Begrüßung und Verabschiedung von Kindern oder Erwachsenen, Feste im Jahreskreis, besondere Ereignisse und Veranstaltungen, Besuche von Künstlern, Musikern, etc.), eigene musikalische Beiträge zu bringen, Geschichten zu hören und gemeinsam zu singen. Die Versammlung ist ein für alle sehr wichtiger Höhepunkt und wird als wöchentliches Ritual sehr geschätzt. Insbesondere die Achtung und Wertschätzung der sehr unterschiedlichen individuellen Leistungen und Präsentationen der Kinder aller Altersklassen durch die Schulgemeinschaft ist eine Besonderheit unserer Schule, die im täglichen Miteinander in Unterricht und OGS-Zeit selbstverständlich ist und sich in der „Freitagsversammlung“ ganz besonders deutlich zeigt.


Elternarbeit an der Münsterschule

Die Einbeziehung der Eltern in das schulische Leben zeigt sich neben den obligatorischen Mitbestimmungsgremien besonders in der aktiven Einbeziehung des von Eltern getragenen Fördervereins der Münsterschule e.V., der die vielfältigen Projekte finanziell unterstützt und den größten Teil der Montessori-Materialien für die Freiarbeit angeschafft hat. Durch regelmäßig stattfindende Elternsprechzeiten, Elternabende und die individuellen wöchentlichen Sprechzeiten der LehrerInnen ist ein kontinuierlicher und lebendiger Kontakt zwischen Eltern und Schule selbstverständlich. Vertieft wird dieser bei den zahlreichen Klassenfesten, Schulkonzerten, gemeinsamen Ausflügen und in den schulischen Arbeitsgruppen z.B. zur Schulhofgestaltung, der Sanierung der Toilettenanlagen oder der Evaluation der schulischen Arbeit. Hier sind häufig die Eltern Motoren und Träger der Aktivitäten, die im schulischen Rahmen stattfinden. So werden seit November 2015 Sachspenden aller Art für die in der Nachbarschaft der Schule untergebrachten Flüchtlingsfamilien von den Eltern in der Schule gesammelt und dann gemeinsam mit den Kindern übergeben. Dabei werden die konkreten Bedürfnisse jeweils vorher abgefragt und über den Schulverteiler per Mail an alle Eltern weitergeleitet.


Fortbildung als Entwicklungsmotor und zur Qualitätssicherung

Gemeinsam besuchen OGS-Team und Kollegium regelmäßig Fortbildungen, um ihre Arbeit zu optimieren und zu qualifizieren. In diesem Jahr haben wir schulinern eine ganztägige Fortbildung zum Thema „Fluchterfahrungen und Schule als sicherer Raum“ gemeinsam organisiert und durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Caritas und den Schulpsychologen der Stadt Bonn wurden hier mit Rollenspielen die Situationen von Menschen auf der Flucht erlebbar gemacht und im Anschluss die notwendigen Eckpunkte für eine „Schule als sicherer Ort“ für Kinder mit Fluchterlebnissen erarbeitet. 
Alle LehrerInnen haben in den letzten Jahren in einem zweijährigen Qualifikationskurs das Montessori-Dipolm gemacht, die OGS-Kräfte in einem mehrmonatigen Lehrgang ein Montessori-Zertifikat erlangt. Im Schuljahr 2015/2016 hat das Kollegium eine fünftägige „DemeK“-Fortbildung gemacht, in der es um gezielte Sprachförderung in mehrsprachigen Klassen ging. Kollegiumsinterne Montessori-Fortbildungen sowie die Teilnahme an externen Montessori-Fortbildungen und –tagungen sind für jedes Schuljahr fest im Fortbildungsplan verankert, ebenso wie gegenseitige Hospitationen und Beratungen der KollegInnen.


Evaluation unserer pädagogischen Arbeit

Die Evaluation von schulischen Themen – insbesondere von Schulentwicklungsarbeit – hat bei uns eine lange und intensive Tradition. Die erste Selbstevaluation fand schon im Jahr 2008 mit dem SEIS-Fragebogen für Kinder, Eltern und LehrerInnen statt. Nach der Qualitätsanalyse im Jahr 2009 wurde im Jahr 2011 eine weitere, selbsterstellte umfangreiche Evaluationsbefragung bei Kindern, Eltern, KollegInnen und OGS-MitarbeiterInnen durchgeführt. Im Zuge der Vorbereitung und Umsetzung der Einführung der Jahrgangsmischung in allen Klassen wurden in den Jahren 2012 bis 2016 mehrere, teils sehr umfangreiche Befragungen bei unterschiedlichen Zielgruppen der Schule durchgeführt. Im Kollegium und im OGS-Team sind Evaluationen von Projekten und der eigenen Tätigkeit selbstverständlicher Teil der Arbeit. Viele dieser Evaluationsergebnisse sind auf unserer Homepage öffentlich zugänglich.